Volle Kraft voraus: Neues Schiff für den Offshore-Windpark Nordsee Ost

Volle Kraft voraus: Neues Schiff für den Offshore-Windpark Nordsee Ost

Bei strahlendem Sonnenschein wurde am 21. Mai das Installationsschiff “Victoria Mathias” mit dem kräftigen Stoß einer Champagnerflasche getauft. Planmäßig, ganz ohne böses Omen. Was alles hätte schief laufen könne, zeigt ein Blick in die Geschichte der Schiffstaufe, die auch verrät, warum schwimmende Fahrzeuge überhaupt getauft werden.

Menschenopfer gab es am Montag in Bremerhaven nicht, wie es zeitweise bei den Römern Sitte war. Geopfert wurde lediglich eine gute Flasche Champagner, die Taufpatin Dagmar Sikorski-Grossmann mit Elan an die Schiffswand donnern ließ. Scherben bringen bekanntlich Glück, und so zerbrach die Flasche ordnungsgemäß und begoss das über 100 Meter lange und 40 Metern breite Spezialschiff für den  Offshore-Windpark Nordsee Ost.

Jeder Fehler im Ablauf einer Schiffstaufe wird von den Seeleuten als Unheilsbringer angesehen – auch eine standhafte Flasche, die nicht zerschellt. Bild: Smirnov Vladimir

Eine standhafte Flasche wäre ein schlechtes Zeichen gewesen: Jedes Fehlerchen im Ablauf der Schiffstaufe wird als böses Omen gedeutet, so auch eine Sektflasche, die nicht zerschellt. Etwa wie beim 1961 verunglückten russischen U-Boot K-19, das über mehrere Versuche hin der Flasche widerstand. Doch ganz ohne, das zeigt das Schicksal der ungetauft gebliebenen Titanic, ist auch keine gute Idee. Und noch zahlreiche andere Mythen ranken sich um Stapelläufe neu gebauter Schiffe: So bedarf es stets einer Frau als Patin und eines festen Taufspruchs, der den Wunsch nach allzeit guter Fahrt und “stets mehr als eine Handbreit Wasser unterm Kiel” beinhalten muss.

Schifffahrt und Bergbau Hand in Hand

Volksglaube international: In England zum Beispiel dürfen keine rothaarigen Frauen taufen, in Frankreich keine Schwangeren. Das Wort Kaninchen ist sowohl bei der Taufe als auch generell an Bord französischer Schiffe tabu. Nach islamischer Sitte wird ein Boot stets mit Wasser aus dem heiligen Brunnen von Mekka getauft, in Schottland nimmt man Whisky. Die “Victoria Mathias”, die ihren Stapellauf aus der Werft in Südkorea bereits hinter sich hat, wird in naher Zukunft aufbrechen und ihren Dienst tun. Sie soll vom Basishafen Bremerhaven aus den Windpark “Nordsee Ost” rund 30 Kilometer nördlich von Helgoland errichten.

Mit der Namensgebung gedenkt RWE seiner Wurzeln: Den Namen “Victoria Mathias” trug auch eine Essener Zeche, in der von 1840 bis 1965 Kohle gefördert wurde. Der ehemalige Geschäftsführer der Grube, Werner Nautsch, überreichte sichtlich stolz dem Kapitän Alexander Jabs eine Grubenlampe in Gedenken an die Namensgeberin. “Die hatte ich in der Hand, als ich den Förderkorb verließ”, erklärt Nautsch. “Ich kann mir keinen besseren Platz für die Lampe vorstellen als auf diesem Schiff.”

Unterstützung für den Windpark

Mit dem gleichnamigen Installationsschiff werde nun, so Peter Terium, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RWE AG, das kommerzielle Offshore-Wind-Zeitalter eingeläutet und der logistische Engpass beim Bau von Windparks auf hoher See geschlossen.

Alle zwei Wochen wird das Schiff nun mit je zwei Fundamentstrukturen für Windräder auslaufen und den Transport und die Installation der insgesamt 48 Windturbinen der 6-Megawattklasse übernehmen.

Das baugleiche Installationsschiff “Friedrich Ernestine” wird den Windpark “Gwynt y Môr” vor der walisischen Küste errichten. Über die Konstruktion der beiden Schiffe gibt es hier einen sehenswerten Film.

Mehr Informationen, Bilder und vieles mehr finden Sie im Internet-Spezial der RWE Innogy.

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  • Knell
    Knell:

    Ohne Überlandleitungen nützt der Windstrom nichts. Ganz einfach. Alles andere ist unwahr.

    30. Juni 2012 | 10:37
  • Helix
    Helix:

    Richtig.
    Ich weiß auch nicht, worauf man hier stolz sein kann.

    All die Jahre wurden die Gewinne abgeschöpft, anstatt sie in neue Leitungen zu investieren.

    Um nun neue Leitungen zu bauen, wird der Strompreis erhöht und PV anlagen werden gedrosselt, um eine Überlastung zu vermeiden.

    Der normale Kunde zahlt doppelt, der PV Besitzern dreifach.

    Danke Stromriesen!

    2. Juli 2012 | 13:03
  • Dirk Oschmann
    Dirk Oschmann:

    Ich dachte die wollen aber können keine Leitungen bauen? Laufen doch überall Klagen gegen Leitungen, wenn keine gebaut werden, würde es diese doch gar nicht geben? Hat die Kanzlerin nicht schon gesagt, die Leute müssen auch mal den Leitungsbau zulassen und nicht immer dagegen klagen? Soll das alles aus dem Nichts kommen?

    6. Juli 2012 | 10:50
  • Takuto
    Takuto:

    Der Bericht über das Schiff ist doch sehr lesenswert, gerade auch wegen des internationalen Glaubens an die Schiffstaufe, der auch noch zu funktionieren scheint. Wegen der Leitungen warten wir doch jetzt mal ab, ob sie wie geplant kommen.

    7. Juli 2012 | 00:54
  • Patrick M.
    Patrick M.:

    Schwarze TFT Bildschirme “sparen keinen Strom”, da die Hintergrundbeleuchtung trotzdem an ist…
    Schwach, wenn ihr euch mit solchen Dingen “grün anmalen” wollt!

    8. Juli 2012 | 13:14
    • M. Hause für voRWEg gehen
      M. Hause für voRWEg gehen:

      In der Tat ist es so, dass sich lohnenswerte Einsparungen eher an Röhrenbildschirmen festmachen lassen, diese Geräte jedoch nicht mehr zeitgemäß sind. Das Thema wird in Foren konträr diskutiert. Neben der Stromeinsparung regt ein solcher Modus aber auch zum Nachdenken an. Daher halten wir dieses Feature durchaus für lohnenswert.
      Wie diese Idee ursprünglich entstand: http://www.blackle.com

      10. Juli 2012 | 11:28
  • Georg Meyer
    Georg Meyer:

    Das Umdenken ist schon längst überfällig…. es ist an der Zeit die natürlichen Energien auszuschöpfen. Besser spät als nie. Wenn es für all diese Gegner keine Kompromisse gibt, dann meldet euren Strom doch ab, lebt wie vor 100 Jahren mach Feuer wenn Ihr es warm haben möchtet, zündet Kerzen an wenn Ihr Licht braucht, usw. wir müssen diesen Dingen Rechnung tragen, sonst gillt nur der Rückschritt. Macht euch Gedanken über einsparungen, tragt im Winter Pullover und heizt nich wie die Verückten. Wir haben und daran gewöhnt zu jeder Jahreszeit alles zu essen und zu trinken, im Winter sind 20 grad in der Wohnung nicht genug, das alles kostet Energie die erzeugt werden muss. Protest ist der falsche Weg sorgt für die Einsparung oder für alternativen denn nur so geht es

    15. Juli 2012 | 19:08
  • klaus klever
    klaus klever:

    soviel energie wie die errichtung eines windrades im meer gekostet hat,wird dieses windrad in 1000 jahren nicht erzeugen können

    17. Juli 2012 | 21:46
    • M. Hause für voRWEg gehen
      M. Hause für voRWEg gehen:

      Hallo Herr Klever,
      die energetischen Amortisationszeiten von Windkraftanlagen an Land (500 kW -1,5 MW; Betriebsdauer ca. 20 Jahre) liegen zwischen gut drei und sechs Monaten. Mit wachsender Leistung pro Anlage – wir liegen jetzt bei 3,5 MW onshore im Binnenland – wird dieser Zeitspanne noch kürzer.
      Offshore sind die Aufwendungen für den Bau der Anlagen natürlich viel höher, allerdings kann man auf See höhere Leistungsklassen (derzeit 3,5 – 6 MW; Betriebsdauer ca. 20 Jahre) einsetzen. Die Windernte ist hier deutlich höher (3.500-4.000 Volllaststunden im Jahr). Die energetische Ausbeute liegt auch hier bei unter einem halben Jahr. Mit steigendem Industrialisierungsgrad bei Bau und Betrieb der Anlagen wird auch diese Zeitspanne weiter abnehmen.
      Untersuchungen zur ganzheitliche Energiebilanzen von Windkraftanlagen hat die Ruhruniversität Bochum angestellt; hier finden Sie die Veröffentlichung.

      19. Juli 2012 | 17:06
  • Windmüller
    Windmüller:

    Es ist ja schön. dass RWE sich wandelt. Vor 12 Jahren wollte ich Ökostrom beziehen. RWE bot lediglich ein Aufpreismodell an. Mit dem eingesammelten Geld sollten Solarköfferchen für Schulen angeschafft werden.
    Um jeden Preis wollte man den Eindruck verhindern, man könne mit Wind oder Sonne Strom erzeugen.
    Da hat sich RWE ja mächtig gewandelt.

    23. August 2012 | 18:35
  • Roland Scherr
    Roland Scherr:

    Interessante Kommentare, Dank an alle Beteiligten.
    Ich selbst bin als Servicetechniker in der Windbranche beschäftigt und ein Befürworter von Offshore-Parks. Derzeit komme ich gerade von einem Einsatz Onshore aus Rumänien zurück. Dort wurden und werden WEAs auf einer riesigen Ackerfläche ohne Bäume im Eiltempo errichtet. Es entsteht nun ein anderer Wald. Doch wenn ich mir die Erträge ansehe stehen diese in keinem Verhältnis zu Offshore-Anlagen. Lieber würde ich Offshore arbeiten als auf Land, nicht nur des Geldes wegen. Denkt mal darüber nach wo die Anlagen besser platziert sind.
    Gruß Roland.

    26. Oktober 2012 | 14:33
  • Bernd Erxleben
    Bernd Erxleben:

    Auf einer Essener Zeche ist sicher niemals Braunkohle gefördert worden. Solche Pannen sollte man als RWE nicht machen

    30. Oktober 2012 | 11:32
    • Die Redaktion für voRWEg gehen
      Die Redaktion für voRWEg gehen:

      Hallo Herr Erxleben, vielen Dank für den Hinweis. Da hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Ihr Einwand ist natürlich vollkommen berechtigt.

      30. Oktober 2012 | 18:27

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