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Taucheinsatz am Wasserkraftwerk

Für die Kontrolle und Instandhaltung von Wasserkraftwerken setzt RWE auf die Erfahrung und das Können eigener Berufstaucher. Ende 2015 konnten wir einen Eindruck von ihrer Arbeit gewinnen – bei einem Tauchgang am Wasserkraftwerk Fankel.

Insgesamt 31 Wasserkraftwerke betreibt RWE an den vier Flüssen Mosel, Saar, Ruhr und Rur. Hier ist das Einsatzgebiet der Tauchgruppe Bernkastel um Markus Ertz. Als Tauchmeister und verantwortlicher Gruppeneinsatzmeister koordiniert er die Tauchgänge seiner Gruppe. „Jedes Jahr führen wir 50 bis 60 Tauchgänge durch. Das hört sich erst einmal wenig an. Aber ein Tauchgang muss vorbereitet werden und bei Instandhaltungsarbeiten sind wir auch durchaus mehrere Tage an einem Kraftwerk vor Ort – je nachdem, was gemacht werden muss“, erzählt Markus Ertz.

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Gleich wird’s kalt! Tauchmeister Markus Ertz konnte vor seiner Zusatzausbildung als Taucher noch nicht einmal richtig schwimmen.

Das Arbeiten an Unterwasserbauwerken kann sehr gefährlich sein

„Als gelernte Elektriker und Schlosser sind wir außerdem auch für Instandhaltungsarbeiten an den Kraftwerken zuständig. Das Tauchen ist schließlich kein Ausbildungsberuf, sondern ein Fortbildungsberuf.“ Die Taucherausbildung dauert zwei Jahre. Abschließend müssen vor der IHK eine praktische sowie eine theoretische Prüfung abgelegt werden. „Sicherheit ist beim Tauchen oberstes Gebot. Laien unterschätzen oftmals die Gefahren an Unterwasserbauwerken.

Dort sind Rohröffnungen, kleinere Absperrorgane und laufende Turbinen. Unfälle unter Wasser haben meistens gravierende Folgen für den Taucher, weswegen Absicherungen im Vorfeld zu besprechen und zu veranlassen sind. Im Bereich des Oberwassers tauchen wir teilweise bis zu 21 Meter tief. Der Taucher kann je nach Wassertiefe mehrere Stunden im Wasser ausharren.

Es gibt für unsere Arbeit kein Handbuch. Das ist alles Erfahrung!

Dann heißt es für uns, sich an die Regeln der Tauchmedizin halten. Langsames Auftauchen ist dann Pflicht!“ Er selbst hat vor gut 30 Jahren seine Lehre als Betriebsschlosser bei RWE absolviert und im Anschluss das Angebot wahrgenommen, die Fortbildung zum Taucher zu machen. „Ob Tauchen damals schon mein größter Wunsch war? Nein. Lachen Sie nicht, aber zu diesem Zeitpunkt konnte ich noch nicht mal richtig schwimmen. Das hat sich dann ja schnell geändert!“, gibt Markus Ertz lachend zu.

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Wasserkraftwerke an der Mosel

Seit den 60er Jahren erzeugen an der Mosel zwischen Koblenz und Trier zehn Laufwasserkraftwerke Strom aus Wasserkraft. Zusammen verfügen sie über eine Leistung von 180 MW. Jährlich erzeugen sie rund 800 Millionen Kilowattstunden – genug, um 250.000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die anfallenden Arbeiten unter Wasser sind sehr vielfältig. Im Zuge der Revisionsplanung werden regelmäßige Tauchgänge an den Wasserkraftwerken durchgeführt. Hierbei wird kontrolliert, ob die Verschlussorgane an Ober- und Unterwasser fehlerfrei funktionieren, denn während der Revisionsarbeiten muss die Turbine leer sein. Ebenso regelmäßig werden die Einlaufgitter überprüft – denn nur unbeschädigt garantieren sie, dass kein Treibgut in die Turbine gelangt. „Zusätzlich führen wir unter Wasser die üblichen Bauwerkskontrollen durch. Und natürlich übernehmen wir alle notwendigen Reparaturarbeiten.

Streichen, Reinigen, Schweißen – und das alles unter Wasser

Die Aufgaben sind eigentlich die gleichen wie an Land. Wir führen Schweißarbeiten genauso durch wie Streichen oder mit Sandstrahlen Oberflächen reinigen. Allerdings benötigen wir für unsere Arbeit unter Wasser Spezialwerkzeuge“, erklärt Markus Ertz. „Neben den geplanten Einsätzen kommt es auch zu Notfalleinsätzen. Darin liegt der große Vorteil für RWE, eigene Taucher zu beschäftigen. Denn wir sind von unserem Standort aus schnell vor Ort, kennen die Gegebenheiten und können somit Schäden am Kraftwerk auch schnell beheben.“

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Seit gut einem Jahr arbeitet man nun auch mit einem Mini-U-Boot. Das sogenannte Remotely Operated Vehicle, kurz ROV, erleichtert die Arbeit unter Wasser. „Das Mini-U-Boot verbessert unsere Kontrollmöglichkeiten bei der Bauwerkbestandsaufnahme. Denn es gelangt an Stellen und in enge Schächte, wo wir als Taucher gar nicht hineinkommen. Das ROV wird über Kabel gesteuert und die Kameras liefern gute Bilder. So hilft es uns bei der Einsatzplanung der Taucheinsätze, denn wir können bereits nach dieser Erstbegutachtung die anfallenden Reparaturen festlegen.”

Bild: Andre Laaks

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