„Wir sind auf der Suche nach Ideen, mit denen wir das zukünftige Energiesystem gestalten können.“ In den Internet-Cafés in Tel Aviv ist die Chance für Konzerne wie RWE groß, fündig zu werden

RWE in Israel: Auf der Suche nach Energie-Start-ups

Der USB-Stick, das erste Chat-Programm und die Internettelefonie wurden in Israel erfunden. Das kleine Land am Mittelmeer hat sich zur größten Start-up-Region außerhalb der USA entwickelt – auch im Energie-Bereich.

Inspiration liegt hier in der Luft, auf dem sandigen Vorplatz des Cafés „Shapira“ im gleichnamigen Stadtteil von Tel Aviv. Die jungen „wilden“ Start-up-Unternehmer haben ihre Laptops aufgeklappt. Telefonieren, tippen, chatten. Oder sie unterhalten sich bei einer Tasse Kaffee. Das einstige Einwanderer-Viertel im Süden der israelischen Mittelmeer-Metropole hat sich zum Treffpunkt der israelischen Start-up-Szene entwickelt.

Vorweg Geher unter sich. In den vielen Online-Cafés von Tel Aviv lebt die Start-up-Kultur

Vorweg Geher unter sich. In den vielen Online-Cafés von Tel Aviv lebt die Start-up-Kultur

Einen passenden Spitznamen hat es längst erhalten: Silicon Wadi, benannt nach der US-Ideenschmiede und dem hebräischen Wort „Wadi“, das „Tal“ bedeutet. Dieses Tal der israelischen Hochtechnologie und seine Ausläufer erstrecken sich von Be‘er Scheva im Süden des Landes über Tel Aviv bis Haifa im Norden. Nach dem Silicon Valley gilt die Region als die gründungsfreudigste der Welt. Auch im Bereich Energie(wende) stößt man hier auf zahlreiche Innovationen.

Der israelische Staat als Förderer

In der Start-up-Szene spricht man von einem Ökosystem – einem gut funktionierenden Zusammenspiel von Gründern und Investoren bei günstigen Rahmenbedingungen. Ein solches Ökosystem zu schaffen, dafür hat der israelische Staat einiges getan: Bereits in den 90ern setzte die Regierung mit teilstaatlichen Finanzierungen das Programm Yozma auf, um Wagnisfinanzierer in den heimischen Hightech-Sektor zu locken. Heute stellt der Staat ein jährliches Budget von rund 350 Millionen Euro für Förderprogramme zur Verfügung, unter anderem für günstige Büroräume wie Coworking Spaces. Hier arbeiten mehr als 800 Start-up-Unternehmer oft Tag und Nacht, um mit der einen zündenden Idee das berühmte “next big thing” auf den Markt zu bringen.

Die Einstellung macht’s

„Wer in Israel mit einem Start-up gescheitert ist, gilt als erfolgreich“, erklärt die israelische Wirtschaftsprofessorin Dafna Kariv die sehr innovationsfreundliche Kultur der Region. Den aus den USA importierten Claim “Fail harder” sieht man hier als Aufkleber auf vielen Laptop-Rücken. Diese Haltung führt langfristig zum Erfolg: In Israel werden die meisten Patentanmeldungen in der westlichen Welt verzeichnet. Israelische Unternehmen sind nach US-amerikanischen am häufigsten im NASDAQ gelistet, der Börse für Hightech-Firmen. In Relation zur Bevölkerungszahl weist Israel die weltweit größte Zahl an Start-ups auf und zieht doppelt so viel Risikokapital an wie die USA.

Stahl und Glas: Die Skyline von Tel Aviv mit der Fußgängerbrücke zum Azrieli Center spiegelt die Haltung der Israelis. Foto: Dagmar Schwelle/laif

Stahl und Glas: Die Skyline von Tel Aviv mit der Fußgängerbrücke zum Azrieli Center spiegelt die Haltung der Israelis. Foto: Dagmar Schwelle/laif

Dieses Potenzial nutzen längst auch die großen IT-Konzerne: Google, Microsoft, SAP, Hewlett-Packard, Amdocs sind nur einige derer, die hier Forschungs- und Entwicklungszentren betreiben. Sie profitieren von den Ideen der israelischen Start-ups, die sie nicht selten später aufkaufen. Und umgekehrt brauchen die Unternehmensgründer die Starthilfe von Konzernen.

RWE in Israel – mit eigenem Innovation Center

Auch RWE ist von diesem Ökosystem überzeugt und hat deshalb vor Ort ein Innovation Center eröffnet. „Wir sind auf der Suche nach Ideen, Technologien und Produkten, mit denen wir das zukünftige Energiesystem gestalten können“, erklärt Mickey Steiner, General Manager des Centers.

Hier entstünden wichtige Synergien, betont Inken Braunschmidt, Chief Innovation Officer bei RWE: „Auf diese Art und Weise etablieren wir unsere Marke bei der Innovation Community vor Ort und verschaffen den Start-ups mit dem Namen RWE gleichzeitig Aufmerksamkeit, die sie für die Vermarktung ihrer Produkte brauchen – eine Win-win-Situation und ideale Voraussetzung für langfristige Beziehungen.“

Der Strand von Tel Aviv. Die 1909 erst gegründete Stadt hat 426.000 Einwohner und ist damit nach Jerusalem die zweitgrößte Stadt Israels

Der Strand von Tel Aviv. Die 1909 erst gegründete Stadt hat 426.000 Einwohner und ist damit nach Jerusalem die zweitgrößte Stadt Israels

Nicht nur bei Konzernen wie RWE hat sich der Gründergeist der Start-up-City Tel Aviv herumgesprochen. Forschungs- und Wirtschaftsinstitute in ganz Europa knüpfen Kontakte nach Israel. So werden Geschäftsideen ausgetauscht, auf verschiedenen Wegen ausprobiert und angeschoben. Das Prinzip hat sich bereits Hunderte Male bewährt. Beste Voraussetzungen für das nächste “next big thing” – dessen Idee vielleicht grad schon im Café „Shapira“ geboren worden ist.

Ihre Meinung zählt. Schreiben Sie uns.

  • Johannes Bohnacker
    Johannes Bohnacker:

    Hallo RWE Web-Team,

    herzlichen Dank für Ihren informativen und interessanten Artikel über die Startup-Szene in Tel Aviv. Natürlich fällt jedem, der sich für aktuelle technologische Entwicklungen interessiert oder wie ich sogar selbst einmal eine eigene technische Vision entwickelt hat, schon länger auf, dass enorm viele innovative Ideen aus Israel stammen und die großen Player der High-Tech-Branche, wie z.B. Intel, sich dort stark engagieren. Ihr Artikel rundet diesen Eindruck als eine Art Insider-Bericht ab und animiert mich dazu, zumindest mal ein paar Tage in Tel Aviv in der entsprechenden Umgebung zu verbringen, um mich inspirieren zu lassen. Obwohl ich heute als Angestellter in der Luftfahrtindustrie in einem relativ kontinuierlichen Tätigkeitsfeld unterwegs bin.

    Danke und Ihnen als RWE ein sehr erfolgreiches neues Jahr 2016.

    Freundliche Grüße

    Johannes Bohnacker

    26. Dezember 2015 | 22:06
    • Die Redaktion für voRWEg gehen
      Die Redaktion für voRWEg gehen:

      Lieber Johannes Bohnacker, danke für den netten Kommentar und die freundlichen Wünsche. Freut uns, dass der Artikel gut ankommt. Wir fanden das Thema auch von Anfang an spannend. Schönen Abend und ebenfalls alles Gute für 2016! Ihr RWE Team

      26. Dezember 2015 | 22:59
  • Mila Schop
    Mila Schop:

    Ein toller Bericht ueber Israel – vielen Dank.
    Es tut gut zu sehen, dass nicht alle Deutsche Israel vedammen und boykottieren sonder mit dieser kleinen Start-Up’s Nation zusammenarbeiten moechte.

    Beste Gruesse aus Tel Aviv und Ihnen allen ein gutes und gesundes Neues Jahr.

    Mila Schop

    29. Dezember 2015 | 18:39
    • Die Redaktion für voRWEg gehen
      Die Redaktion für voRWEg gehen:

      Danke Mila Schop, das ist ja nett. Ihnen eben falls alles Gute und ein gesundes, fröhliches Neues! VG nach Tel Aviv vom RWE Team

      29. Dezember 2015 | 21:35
  • Eleonore Yonut
    Eleonore Yonut:

    Vielen lieben Dank für diesen informativen und wahren Bericht, schön, daß auch RWE an zukunftsweisenden Technologien interessiert ist und schön, daß es dabei Israel entdeckt hat. In der Tat, ein Start-Up Staat, den es in der ganzen arabischen Welt nicht wieder gibt. Was wäre die moderne Welt ohne Israel? Wobei ich die Boykotter gerne beim Boylott verschiedener Innovationen sehen würde. :-)

    31. Dezember 2015 | 16:17
  • Miklós Klaus Rózsa
    Miklós Klaus Rózsa:

    Danke für diese aufschlussreichen Informationen.
    Israel zeigt in vielem den Weg in eine bessere Zukunft!

    2. Januar 2016 | 09:50
  • Ing.Mikel Gayer C.E.O
    Ing.Mikel Gayer C.E.O:

    Herzlicher dank für diesen imformativ und wahre Bericht.
    wie kann mann mit machen?

    27. Januar 2016 | 14:41
    • Die Redaktion für voRWEg gehen
      Die Redaktion für voRWEg gehen:

      Hallo Mikel Gayer, danke für den netten Kommentar. Inwiefern wollen Sie wobei denn mitmachen? VG vom RWE Team

      27. Januar 2016 | 14:43
  • Franz Biskup
    Franz Biskup:

    Ein sehr interessanter Bericht. Erstaunlich, dass sich die RWE dort engagiert. Bitte nicht missverstehen, wird doch die RWE eher als konservatives Unternehmen wahrgenommen. Gleichwohl, es gibt momentan ja eine interessante Bewegung hin zu den Erneuerbaren und jetzt ja scheinbar auch bei der High-Tech-Industrie. Es gibt in der Tat einige Unternehmen, die der RWE gut zu Gesicht stünden. Man schaue sich einmal ein Unternehmen aus Israel an, welches im Bereich NFC, Unternehmen wie Apple, Alphabet (Google) etc zu seinen Kunden zählt.

    Beste Grüße
    Franz J. Biskup

    30. Januar 2016 | 17:50

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