Haus von Zukunftsforxscher Horx

Das Haus des Zukunfts-Forschers

Zukunftsforscher Matthias Horx hat sich bei Wien ein Haus gebaut. Wie wohnt jemand im Heute, der sich jeden Tag mit der Welt von morgen beschäftigt?

Das Anwesen ist ein Idyll am Hang, und wenn das Elektroauto die Einfahrt hinabrollt, knirscht der Kies wie bei einem englischen Landhaus. Entspannte Ruhe herrscht auf dem Grundstück am Stadtrand von Wien. Hier wohnt und arbeitet Matthias Horx, einer der bekanntesten Trend- und Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, und sein Haus, so sagt er, habe programmatischen Anspruch. “Future Evolution House” hat er es daher genannt.

Haus von Zukunftsforxscher Horx

Das Zukunftshaus besteht aus zwei Teilen, beide viereckig mit bodentiefen Fenstern. Der Arbeitsbereich trägt den markanten Schriftzug “Work”. Im anderen wohnt das Ehepaar Horx.

“Future” heißt Zukunft, das ist klar. Und “Evolution” meint, je nach Standpunkt, dass es immer weiterentwickelt oder nie fertig wird. „Wir haben aber keine Lust, ständig auf einer Baustelle zu leben“, sagt Matthias Horx. Deshalb hat er beschlossen, dass das Haus erst einmal fertig sei – die Zukunft ist jetzt. Damit befinden sich Horx und seine Frau Oona schon mittendrin in dem Thema, das ihren Beruf bestimmt: nachzudenken über das, was ist, und das, was wird.

So lebt es sich im Zukunftshaus

Das Zukunftshaus selbst ist schnell beschrieben. Es besteht aus zwei Teilen, beide sind viereckig mit Flachdach und bodentiefen Fenstern. Im einen Teil arbeitet das Ehepaar, im anderen wohnt es. Dazwischen Wiese, Badeteich und Gemüsegarten. „Wenn ich am Schreibtisch mal eine Pause brauche“, erzählt Matthias Horx, „arbeite ich draußen. Das macht den Kopf frei.“

Matthias Horx in seinem Garten

„Wenn ich am Schreibtisch mal Pause mache“, sagt Matthias Horx, „arbeite ich draußen. Das macht den Kopf frei.“

Der Stil des Hauses ist konservativ modern. Besonders viel Technologie steckt auch nicht drin. Die Energietechnik besteht aus Photovoltaik und Solarthermie. „Wir haben noch nicht einmal eine Klimaanlage“, verrät Horx. „Der Hund macht nicht nur eine Alarmanlage unnötig, sondern auch einen Schrittzähler.“ Redet so ein Experte für die Zukunft? „Uns ist schon klar, dass wir mit dieser Haltung unser eigenes Geschäft konterkarieren könnten“, sagt Horx und berichtet dann, dass seine Kunden von ihm oft erwarteten, nur technische Lösungen zu bestätigen.

Wir denken systemisch und schauen auch auf die Menschen, die mit der Technik umgehen sollen, und aufs Umfeld.

Doch Technik, so wissen Horx und seine Frau, ist eben nicht immer die beste Antwort. Zukunft besteht aus mehr als aus Technik. Mehr als die Funktionalität einzelner Geräte scheint die beiden deren Fertigung zu interessieren. „Wir würden gern mehr Produkte im Haus haben, die ,Cradle to Cradle’ produziert wurden“, also komplett wiederverwertet werden können oder bereits aus wiederverwerteten Materialien bestehen.

Einfach zu finden sind solche Dinge nicht. Das Elektroauto in der Garage, ein BMW i3, entspricht den Ansprüchen. Viele von dessen Teilen bestehen aus wiederverwerteten Plastikflaschen, die Karosserie aus Karbonfasern ist zum Teil aus recyceltem, kohlenstoffverstärktem Kunststoff gefertigt.

Technik allein reicht nicht

Demnächst wird im Garten eine „Smart Flower“ mit vier Metern Durchmesser aufgebaut, ein Photovoltaik-Element, das viel effizienter arbeitet als fest installierte, weil es sich immer zur Sonne dreht. „Dann können wir auch die Energie fürs Auto selbst produzieren“, freut sich der Forscher.

Doch vor jeder Zukunft steht immer die Gegenwart. Die ist bevölkert mit Heim- und Handwerkern, die mit neuer Technik nicht immer umgehen können. Im Laufe seines Berufslebens hat Matthias Horx viele Entwürfe kommen und gehen sehen, der Technik allein vertraut er nicht. „Wir denken systemisch“, sagt er. „Wir schauen immer auch auf die Menschen, die mit der Technik umgehen sollen, und auf das gesamte Umfeld.“

In der Zukunft kann man nicht leben.

Der Herd, der 10.000 Rezepte aus dem Internet abrufen kann, ergebe keinen Sinn, wenn daneben schon das iPad liege. Die meisten Menschen, ist sich Horx sicher, wollen auch nicht das gesamte Haus von einem Terminal aus steuern, sondern nur den Raum, in dem sie sich gerade befinden. Sein Blick schweift unterdessen zu den Photovoltaik-Paneelen auf dem Dach und wird besorgt. Darunter haben sich doch schon wieder Wespen eingenistet. Der Kammerjäger muss her. So ist die Gegenwart. „In der Zukunft“, sagt er dann noch, „kann man nicht leben.“

Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des RWE Printmagazins /NEXT, verfasst hat ihn Christian Tröster. 

Bild: Klaus Vyhnalek (3)

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