Kunst trifft intelligente Energie

Kunst trifft intelligente Energie

Eine einzigartige Ausstellung ist mit Unterstützung von RWE derzeit in Berlin zu sehen: 56 zeitgenössische Positionen zum Thema “Kunst und Presse” von den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart und des 20. Jahrhunderts. Zwei von ihnen, Andy Warhol und Joseph Beuys, haben wir im ewigen Kunst-Nirvana zum Interview “getroffen”.

Sie liebten Blitze und Fett, Glamour und Filz: Andy Warhol und Joseph Beuys waren die schillerndsten und berühmtesten Künstler ihrer Zeit. Zwei ihrer Werke sind derzeit in der Ausstellung “ARTandPRESS” in Berlin (Martin-Gropius-Bau, noch bis 24. Juni 2012) zu sehen. Getreu dem Ausstellungs-Motto “Kunst. Wahrheit. Wirklichkeit” hat Tom Kummer, das Enfant Terrible der deutschen Presseszene und Spezialist für fiktive Interviews, Beuys und Warhol im Nirvana getroffen. Ein unterhaltsames Gespräch über Energiewende, intelligente Energie und den künstlerischen Aspekt von Altbausanierungen.

Lesen Sie im Interview: Was hat Brad Pitt mit intelligenter Energie zu tun? Und: Warum will Andy Warhol zu einem Energie-Monolithen werden?

Für Andy ist der Klimawandel bloß ein Spektakel

Mister Warhol, was sagt Ihnen der Name “Brad Pitt”?
Warhol: Nie gehört. Wer soll das sein?

Brad Pitt ist berühmt, sieht fantastisch aus und interessiert sich auch fürs Energiesparen und für intelligente Energie. Nachdem ein Wirbelsturm New Orleans zerstört hatte, ließ er Häuser ökologisch und sozial nachhaltig wieder aufbauen.
Warhol: Tut mir wirklich leid, ich hab noch nie von einem Brad Pitt gehört. Wieso baut er seine Häuser nicht in Palm Springs? Womöglich mag er, wie ich, Bilder von Naturkatastrophen. Stars tun die verrücktesten Dinge, um ihr Image in der Öffentlichkeit aufzubessern.

Im US-Bundesstaat Louisiana trägt US-Schauspieler Brad Pitt mit seinem Projekt “Make it Right” dazu bei, dass Wohnraum sowohl nachhaltig, als auch bezahlbar wieder aufgebaut wird. Bild: Julie Dermansky/Polaris/laif

Herr Beuys, was sagen Sie zu dieser Ignoranz?
Beuys: Andy bestand immer darauf, dass er die Grenzen zwischen dem Künstlichen und dem Realen nicht mehr identifizieren könne, also wird der Klimawandel oder Umweltschutz auch bloß ein Spektakel für ihn sein.

Sie waren Symbolfigur der Grünen. Haben Sie auch “grün” gewohnt?
Beuys: Ich war Ende 1970er-Jahre Pate von Hausbesetzern in Berlin-Kreuzberg. Einer meiner Sammler war Erich Marx, ein Bauunternehmer, wegen dem es viele Krawalle gab. Er machte sein Geld als Sanierungsträger mit Altbauten. Immerhin hat er begonnen, Zentralheizungen einzubauen. Wir haben noch mit Kohle geheizt, aber oft über Energiesparmaßnahmen nachgedacht und mit neuen Energien experimentiert.

Was waren das für neue Energien?
Beuys: Ich hab mit Marx öfters über seine Häusersanierungen diskutiert – über die Gründe für zu hohen Energieverbrauch wie zum Beispiel unzureichende Dämmung, einfachverglaste oder undichte Fenster, marode Dächer oder eben alte Heizungen. Das war für ihn alles völliges Neuland. Aber er hat mir zugehört. Unter meinen Freunden waren natürlich Leute, die Marx gerne mit Pflastersteinen eine Lektion erteilt hätten.

Mister Warhol, wenn Sie sich zurückzogen, dann in Ihre New Yorker Stadtwohnung, die niemand außer Ihren engsten Freunde betreten durfte. Haben Sie dort jemals irgendwelche Erfahrungen mit intelligenter Energie gemacht?
Warhol: Blitze! Ich liebe Blitze. Ich stand bei Gewitter immer stundenlang am Fenster und hoffte auf fantastische Blitze. Ich träumte dann am Fenster von der Wildheit der Natur, dem Wind, der Sonne. Ich mag die Natur.

Dann können Sie bestimmt auch den intelligenten Energien der Gegenwart etwas abgewinnen: Ein Solarkraftwerk namens Andasol 3 produziert heute für über 500.000 Menschen Strom. Nahe Palm Springs gibt es mittlerweile 4000 Windräder, die eine Stadt wie San Francisco mit Strom versorgen könnten. Es gibt Tausende RWE-Ladesäulen …
Warhol: Das ist mir zu abstrakt.

Sie können sich also keine Welt vorstellen, in der Sie das Klima in Ihrem Haus fernsteuern? Sie steigen am Kennedy Airport in New York aus dem Flugzeug und schalten im Taxi die Heizung in Ihrer Wohnung ein?
Warhol: Ich kann die Vorteile einer solchen Fernsteuerung nachvollziehen. Ich war panisch allergisch auf Hausstaubmilben und ich hätte vielleicht gerne meine Räume ferngesteuert klinisch durchlüftet, bevor ich sie dann betrete.

Können Sie sich noch erinnern, wie Ihre Factory in New York damals in den 1960-er Jahren beheizt wurde?
Warhol: Keine Ahnung. Die Temperatur stieg meistens an, wenn Bianca Jagger einmarschierte. Dann nahm sie vielleicht Truman Capote am Arm und verschwand mit ihm auf der Toilette. Truman hat ihr dann irgendwelchen Gossip aus der Stadt erzählt, während sie gemeinsam pinkelten, und so kamen sie wieder total glücklich von der Toilette zurück

Ihre engsten Freunde waren also im weitesten Sinn “Energieproduzenten” – aber interessiert hat Sie die ganze Energiefrage nicht besonders, korrekt?
Warhol: Ich hab mir schon auch vorgestellt, wie es mit unseren Bedürfnissen nach Energie aussehen könnte. Und dann stellte ich mir immer diese fantastisch-kalte Materie eines Monolithen vor, eines Monolithen, der extreme Energien freisetzen kann. Jeder Haushalt besitzt einen Mini-Monolithen, habe ich mir vorgestellt, an dem sich die Menschen “aufladen” können. Die Familie trifft sich also abends an diesem Monolithen, kniet sich vielleicht hin und hält so eine Art Energie-Messe ab.

Ihre Monolithen-Fantasie sieht der Realität heute nicht unähnlich: Sie besitzen im Keller ein kleines Mini-Kraftwerk, mit dem Sie den Energieverbrauch optimieren.
Warhol: Klingt nach Science-Fiction. Ich könnte mir sogar vorstellen, in so einem Hauskraftwerk als Monololith wiedergeboren zu werden. Ich wäre schon zu Lebzeiten immer gern zur kalten, leblosen Materie mutiert.

Herr Beuys, was waren eigentlich Ihre Wunschvorstellungen für das Leben nach dem Tod?
Beuys: Ich wollte der starren, kalten Perfektion des Kapitalismus eine Naturverbundenheit entgegensetzen. Ich hoffte, dass die Technologie irgendwann und irgendwie renaturiert wird. Vielleicht bin ich heute womöglich in Tierfelle eingehüllt zur Wärmeplastik geworden – wie ein kleines, lebendiges Hauskraftwerk. Oder ich bin das Erdtelefon geworden, das ich 1968 entworfen habe.

Die Ausstellung ARTandPRESS

Es geht nicht wirklich mit, erst recht aber nicht ohne: Seit über 150 Jahren ist die Zeitung Thema für die Kunst, ob als Instrument der Aufklärung oder der Manipulation. Die Ausstellung ARTandPRESS zeigt mehr als 50 künstlerische Positionen zu dem Thema, von Andy Warhol und Joseph Beuys über Sigmar Polke bis zu Ai Weiwei – von Malerei und Collage über Skulptur und Installation bis zur Fotografie.

Zu sehen im Martin-Gropius-Bau, Berlin, vom 23. März bis zum 24. Juni 2012. Mehr Infos gibt’s hier. Im Herbst kommt ARTandPRESS nach Karlsruhe: Das ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologie zeigt die Ausstellung vom 15. September 2012 bis zum 10. Februar 2013. Unterstützt wird ARTandPRESS von RWE.

Bild: Picture Alliance/DPA

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