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Solarstraßen auf dem Vormarsch

Nachdem in den Niederlanden die “SolaRoad” die erste Testphase gut überstanden hat, gibt es jetzt auch in Deutschland ein Solarstraßen-Projekt, das den Verkehr revolutionieren möchte.

Deutschlands Straßennetz misst 650.000 km. Das ist so viel, dass man – bildlich gesprochen -, auf deutschen Straßen die Erde 16-mal umrunden könnte. Was wäre, wenn wir diese riesigen Flächen auch noch nutzten, um erneuerbare Energie zu erzeugen? Eine Vision, die Tüftler und Ingenieure seit Jahren antreibt. Bisher leider recht vergeblich. Bringt ein neuartiges deutsches Projekt nun den Durchbruch?

Vom Vorzeigeprojekt in den Niederlanden lernen

Bereits seit November 2014 fahren die Niederländer vom kleinen Dorf Krommenie nördlich von Amsterdam in den Nachbarort Wormerveer über ein ebenerdiges Kraftwerk. Seit das Vorweggehen-Magazin damals über das Projekt “SolaRoad” berichtete, ist viel passiert: Der 70 Meter lange Fahrradweg hat im ersten Jahr weit mehr Strom produziert, als die Entwickler sich erhofft hatten. Mit den regenerativ erzeugten 9.800 kWh können umgerechnet vier Haushalte für ein Jahr mit Strom versorgt werden.

Der Praxistest hat aber auch Schwachstellen gezeigt wie den Straßenbelag, der nicht wetterfest genug war. Das holländische Unternehmen möchte nun die Solarstraße um 20 Meter erweitern.

Solaroad

Foto: SolaRoad Netherlands

 

Solmove – flexible Photovoltaik-Straßen in Deutschland

Auch in Deutschland tut sich was im Bereich der sogenannten horizontalen Photovoltaik. Der Ingenieur Donald Müller-Judex entwickelt mit “Solmove” in Herrsching am Ammersee ein Projekt, das gegenüber dem holländischen Konkurrenten einige Vorteile aufweist. Dieser verlegte nämlich sehr große, viereckige Module mithilfe eines Baukrans, was Kurven undenkbar macht. Bei Solmove handelt es sich vielmehr um eine Art “Solarteppich”: Acht mal acht Zentimeter große Glasfliesen werden ganz flexibel über schon bestehende Fuß-, oder Radwege, gewerblichen Flächen oder Gleisanlagen angebracht – ähnlich wie ein Rollrasen.

Über ein spezielles Gewebe sind die Teilstücke miteinander verbunden. Noch wird mit Hochdruck an der Technik gefeilt: Die umweltfreundliche Straße soll eine spezielle Oberfläche bekommen, die rutschfest ist und sich sogar selbst reinigt. 2017 will das deutsche Unternehmen in den Praxistest gehen und zunächst einen Parkplatz in der Gemeinde Inning am Ammersee mit dem Solarteppich bepflastern.

Illustration: Solmove

Illustration: Solmove

 

Ein Blick in die Zukunft

Die Zukunftsvisionen der Solaringenieure klingen verlockend: Durch Induktion könnten Elektroautos und E-Bikes automatisch geladen werden, wenn sie über Photovoltaik-Straße fahren. Das wäre dann vielleicht der kommerzielle Durchbruch für die E-Mobilität, die gerade noch mit verhältnismäßig niedrigen Reichweiten kämpft. Außerdem könnten in die Straße integrierte LEDs zusammen mit Sensoren die Straßenbeleuchtung ersetzen und in Echtzeit über die aktuelle Verkehrslage informieren.

Allerdings haben die “Sonnenstraßen” mit ein paar Problemen zu kämpfen, bis sie den Verkehr revolutionieren können: Ihr Wirkungsgrad ist im Vergleich zu PV-Anlagen auf dem Dach schlechter, da sie flach auf dem Boden montiert und nicht in Richtung Sonne ausgerichtet sind. Bei Verschmutzung, Schnee oder Verkratzen der Oberfläche fällt er noch schlechter aus.

Gerade für Kommunen, die größte Zielgruppe der neuen Technik, rechnet sich die Anschaffung wohl erst bei einer massenhaften Produktion der Solarstraßen. Fraglich ist auch noch, ob die Bevölkerung eine solche Technik überhaupt akzeptierte.

Uns interessiert Ihre Meinung: Könnten Sie sich vorstellen, in Ihrer Stadt auf einer Solarstraße zu fahren?

 

Bild: SolaRoad Netherlands

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  • Michael Jarchow
    Michael Jarchow:

    Das setzt sich nicht durch.Strom Autos ist voll ok und setzt sich auch durch

    12. Februar 2016 | 23:18
    • LordFies
      LordFies:

      Hahaha ein Parkplatz mit Solarzellen. Ja dann gute Nacht!

      6. März 2016 | 19:42
  • Tommy
    Tommy:

    Den Strom da erzeugen, wo er gebraucht wird. Für die eMobilität mit Induktionsladung ist das auf jeden Fall sehr interessant. Aber warum als Straßenbelag? Völlig unsinnig. Eine Überdachung würde zwar in das Landschaftsbild eingreifen, aber dafür die alltäglichen “Probleme” lösen. Die Witterungseinflüsse wie Regen und vor allem Schnee wären als Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr minimiert. Außerdem spart man sich das Schneeräumen und das umweltschädigende Salzstreuen. Wenn Windkraftanlagen das Landschaftsbild stören sollten, dann sollten die flachen Photovoltaik wesentlich angenehmer sein. Außerdem wäre auf diese Art alle Straßen, auch die Fahrradstraßen als wichtige Mobilität, beleuchtet.
    Übrigens sollten alle bereits versiegelten Flächen mit PV-Elementen überdachen werden. In jedem Fall Dachflächen und Parkplätze. Auf den Parkplätzen kann man jede Art von Fahrzeugen vor Witterungseinflüssen schützen und dort die stationären Akkumulatoren der Ladestationen für die eMobilität autark laden.

    13. Februar 2016 | 12:47
    • Klaus Köhler
      Klaus Köhler:

      Die Überdachung müsste Brückenhöhe haben damit auch LKW darunter hindurchfahren können. Der Abstand zwischen der Anlage und einem Pkw wäre dann recht groß. Wirkt dann die Induktion noch bei einem Pkw?

      13. Februar 2016 | 17:40
  • Joe

    Die Hürden sind neben den höheren Kosten sicher die Haltbarkeit des Belags. Schwer vorstellbar, daß solche Strassen die Kosten einspielen. Induktives Laden wäre noch mehr Elektrosmog! Krebs nimmt epidemieartig zu. Immer mehr Stromtrassen und Handymasten und Fernsehkanäle, etc, das kann nicht gut gehen. Jetzt auch noch Induktionsladen? Nein, danke.

    13. Februar 2016 | 12:52
  • Reinhard Schulz
    Reinhard Schulz:

    Richtig effektiv wird es erst, wenn man Solar-und kinetische Energiegewinnung kombiniert da unsere Winter doch recht sonnenarm sind. Aber in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung.

    13. Februar 2016 | 15:16
  • Reinhard Schulz
    Reinhard Schulz:

    Richtig effektiv wird es erst, wenn man Solar-und kinetische Energiegewinnung kombiniert da unsere Winter doch recht sonnenarm sind. Aber in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Man könnte ja im Winter auch kinetische Energie zum Abtauen bei Frost und Schnee verwenden.

    13. Februar 2016 | 15:19
  • Gu

    In welcher Traumwelt leben wir???? Vater Staat schafft es nicht einmal die alten Straßen zum Instandhalten und ihr träumt von PVStraßen…..

    14. Februar 2016 | 06:16

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