Bis dato war das gebrauchte Speisefett und -öl meist entweder im Abfluss gelandet und verstopfte auf Dauer die Rohre und Leitungen. Oder es wurde von Großverbrauchern wie der Gastronomie in Dosen und Flaschen gesammelt und an die Industrie geliefert, die damit Biodiesel herstellte. Ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch konnten die Behältnisse am Ende meist nicht gereinigt werden. Sie landeten im Müll – und belasteten so die Umwelt.
Dann kam ein leuchtend gelber Eimer des Weges, und aus dem Schritt in die richtige Richtung wurde ein geschlossener Kreislauf – die Reinigung der Behälter inklusive. „Öli” nennt sich der Eimer, in dem gastronomische Betriebe, aber auch viele Privathaushalte seit 1999 ihr Altspeisefett sammeln. Ist ein Öli gefüllt, kann er an einer der vielen Sammelstellen abgegeben werden. Sein Inhalt wandert zum Herzstück des Kraftwerks: einem großen Schiffsmotor. Christian Callegari, Geschäftsführer des Abwasserverbandes Hall in Tirol, erklärt: „Der Schiffsmotor ist robust und für den Dauereinsatz ausgelegt. Die Anlage wird 8.000 Stunden im Jahr betrieben, der Motor läuft also Tag und Nacht durch.”
Gefüttert wird er mit dem, was in den Öli-Eimern steckt: jede Menge Altspeisefett, aber auch andere teils abenteuerliche Bestandteile. „Pommesreste, Fleischreste, Brösel von Wiener Schnitzeln – das ist wie eine überdimensionale Frittenbude”, lacht Callegari. Doch dem Motor macht das gar nichts. „Das wird in der Aufbereitung rausgefiltert”, so der Geschäftsführer.